Mellingen hatte als Brückenort grosse Bedeutung

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Mellingen hatte als Brückenort grosse Bedeutung

Vor 400 Jahren: Mellingen und der Dreissigjährige Krieg (1618 bis 1648)

Der Dreissigjährige Krieg begann vor 400 Jahren im Mai 1618. Wenn auch die Eidgenossenschaft und damit
Mellingen nur am Rande von diesen Kriegswirren betroffen waren, hatten diese auch für das Städtchen auf eher
unerwartete Weise ihre Auswirkungen.
Während anfänglich vor allem religiöse Motive den Ausschlag in diesen Auseinandersetzungen gaben, ging es im
Verlauf der drei Jahrzehnte immer mehr um die politische Vormachtstellung in Mitteleuropa. Diesem Krieg fielen
mehrere Millionen Menschen zum Opfer. Auf katholischer Seite standen u. a. das von Habsburg-Österreich geführte Römische Reich deutscher Nation und das ebenfalls habsburgische Spanien einerseits und auf neugläubiger Seite die protestantischen Reichsfürsten, Holland und Schweden anderseits einander gegenüber. Später trat auch Frankreich – obwohl mehrheitlich katholisch – der antihabsburgischen Koalition bei.

Strategisch wichtig
Mellingen hatte vor allem als wichtiger Brückenort von West nach Ost grosse Bedeutung. Die mehrheitlich in katholischen Händen liegenden eidgenössischen Vogteien Grafschaft Baden (und damit auch Mellingen), die Freien Ämter und die Untertanengebiete im Tessin bildeten, aber auch zusammen mit den altgläubigen Inner-schweizer Orten, einen Nord-Süd-Korridor zwischen Süddeutschland und dem Herzogtum Mailand, beides habsburgische Territorien. Da nun die Gefahr bestand, dass Mailand den Süddeutschen durch diesen «katholischen Schlauch» Truppen zuschicken könnte, wollten die reformierten Orte dies in Bremgarten und Mellingen auf jeden Fall verhindern. Besorgt schickten die katholischen Orte hohe Militärs und Politiker in die beiden Städte. Als diese berichteten, dass Mellingen nur schlecht mit Gewehren und Munition versehen sei, beschlossen die Katholiken, das Städtchen aufzurüsten und allenfalls einen Kommandanten dahin zu senden. Glücklicherweise kam es dann aber nicht zum Schlagabtausch.

Die Veltlinerwirren

Während in der Eidgenossenschaft zur Zeit des Dreissigjährigen Kriegs die konfessionellen Auseinandersetzungen stark abebbten, waren diese in Graubünden und im damals noch den Bündnern angeschlossenen Veltlin besonders heftig. Als Antwort auf das Strafgericht von Thusis 1619, bei dem die Reformierten viele Katholiken verurteilten, wurden im Jahr darauf 500 protestantische Veltliner ermordet.
Deshalb wollten Bern und Zürich ihren Glaubensbrüdern im Veltlin zu Hilfe eilen. Bern schickte ein Kontingent
von über 2000 Mann nach Zürich. Die Aarestadt versuchte in Mellingen die Reuss zu überqueren. Die katholischen Orte wollten diesen Durchmarsch auf jeden Fall vereiteln und legten am 3. August 1620 eine Besatzung ins Städtchen. An diesem Tag trat in Baden eine eidgenössische Tagsatzung zusammen, um einen offenen Konflikt zu verhindern. Nach langem Ringen konnte Bern überzeugt werden, die Truppen im reformierten Windisch über die Reuss zu setzen, um dann über Dättwil nach Zürich zu gelangen. Am 13. August verliessen die katholischen Truppen das Städtchen Mellingen. Zusammen mit den Zürchern marschierten die Berner schliesslich ins Veltlin, wo sie aber von mailändischen Truppen vernichtend geschlagen wurden.


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Der Durchmarsch Herzog Rohans

Erst 1635 trat Frankreich in das europäische Völkerringen ein und erklärte Spanien den Krieg. Herzog Henri de Rohan sammelte im Elsass ein Heer von 4400 Mann, führte es durch die Eidgenossenschaft nach Graubünden
und entriss den Spaniern die von diesen usurpierten Vogteien im Veltlin. Während der Grossteil der Truppen
am 2. April 1636 bei Stilli über die Aare gesetzt wurde, marschierten auch zwei Kompanien unbehindert über Mellingen. Die katholischen Orte wurden dabei richtiggehend überrumpelt. 1638 erlebte Mellingen die zweite Besetzung während des Dreissigjährigen Kriegs. Ende Januar drang der protestantische Herzog Bernhard von Weimar im Dienste von Frankreich über das Baselbiet vor das österreichische Rheinfelden und trug über die Kaiserlichen einen entscheidenden Sieg davon. Da dadurch eidgenössisches Territorium verletzt wurde, entschlossen sich die katholischen Orte um den 5. Februar 1638 herum eine Garnison von 200 Mann aus den Freien Ämtern nach Mellingen zu legen. Nach sieben Wochen hatte sich aber die Lage wieder beruhigt und die Soldaten konnten das Städtchen verlassen.

Flüchtlinge

Schwer umstritten war im Dreissigjährigen Krieg in den 1630er-Jahren das damals noch österreichische Fricktal und die Gebiete nördlich des Hochrheins. Deshalb flüchteten viele Bewohner dieser Gebiete in die sichere
Eidgenossenschaft, so auch nach Mellingen. Hier hielten sich zahlreiche Flüchtlinge – hauptsächlich aus dem Fricktal und dem Schwarzwald – auf. In den Jahren zwischen 1634 und 1645 heirateten in der hiesigen Pfarrkirche 21 Paare, von denen ein Partner, meistens aber beide aus den genannten Gebieten stammten. Handwerker
wie Maurer, Schmiede, Schuhmacher und Hutmacher u.s.w., erhielten eine zeitlich beschränkte Erlaubnis, ihren Beruf im Städtchen auszuüben.
Da 1629 durch eine Pestepidemie praktisch die halbe Bevölkerung Mellingens dahin gerafft wurde, hatte dies
in gewissem Sinn fast eine positive Seite, dass durch diese Flüchtlinge, die in den Protokollen meist «Gäste» genannt wurden, das «menschliche Reservoir» wieder etwas aufgefüllt wurde.

Kommende Beuggen

1602 erwarb die Komturei Beuggen, eine Niederlassung des Deutschen Ordens in der Nähe von Badisch-Rheinfelden, den Iberghof. Als die Schweden in den 1630er-Jahren den Rittersitz am Rhein mehrmals bedrohten,
war der Ordensvorsteher, Komtur Heinrich Schenk von Castell, dankbar, sich hie und da in den Iberg von Mellingen zurückziehen zu können. Von 1632 bis 1634 hielt sich der Komtur mehrmals in Mellingen auf. Von 1638
bis 1646 war der Iberg sein ständiger Wohnsitz. Neben zahlreichem Hausrat wurde auch das gesamte Archiv des
Ordenshauses nach Mellingen überführt. Unter Schenk von Castell wurde das Portal links des Rundturms 1633
neu erbaut (s. Abbildung). Ungefähr in dieser Zeit dürften im Innern des Iberg auch wertvolle Portale und Wandtäfer in mehreren Räumen im Stile der Renaissance eingebaut worden sein. Es ist dies heute die umfang-mässig und kunstgeschichtlich wertvollste Innenausstattung in einem Profanbau Mellingen.

Rainer Stöckli


Bild-Nr.: 39940
Bild: Stich von Matthäus Merian
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Rainer Stöckli

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