1996 - Historischer Gemeindeumgang

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1996 - Historischer Gemeindeumgang - Unseren Vorfahren auf der Spur

Bild: Gross war das Interesse am Gemeindeumgang in Mellingen, der im Rahmen der Feier 700 Jahre Stadtrecht Mellingen durchgeführt wurde. Kompetent und interessant berichtete Historiker Dr. Rainer Stöckli, der in Mellingen aufgewachsen ist und anschliessend Geschichte studiert hat, wie unsere Vorfahren gelebt und wie und wo sie gewohnt hatten.

Gegen 150 Personen folgten der Einladung zum Stadtrundgang. Dieser
wurde sehr gut organisiert, wurde doch immer ein Lautsprecherwagen mitgeführt, damit alle Anwesenden alles verstanden. Der Umgang wurde bewusst nur auf der rechten Reuss-Seite durchgeführt, denn da stand im Jahre 500 bis 600 nach Christus ein altes Alemannendorf.

„Der. Umgang begann beim Coop-Platz ( Zentralplatz). In diesem Gebiet standen früher eine prunkvolle Fabrikantenvilla, ein Schiessstand sowie die Bruggmühli, die zuerst von der Reuss angetrieben wurde und später - nach einem Hochwasser - versetzt und an einen heute nicht mehr existierenden Bach versetzt wurde.
Beim Restaurant Rosengarten erklärte Stöckli das alte Dorfbild und erwähnte die schmucke Häuserreihe an der Bahnhofstrasse, die vermutlich als Vorstadt von Mellingen gebaut wurde. Im Restaurant wurde früher die erste Post untergebracht, vermutlich deshalb, weil ein Restaurant wie ein öffentliches Gebäude angesehen wurde.

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Oberhalb der jetzigen Firma Haller stand früher die Widenmühle, die wie die anderen Mühlen dem Kloster Wettingen gehörte. Alle vier Mühlen wurden im neunten Jahrhundert, als sie nicht mehr gebraucht wurden, in ein Gewerbe umfunktioniert.

Ernst Vögeli erzählte an dieser Stelle Interessantes über die Hügellandschaft
von Mellingen, die aus der Eiszeit durch Moränenbildung entstanden ist.
Diese Stelle von Mellingen war das Ende des Gletschers, die Gesteine der
Moränen wurden mit dem Gletscher mitgetragen und hier ausgeschieden.
Diese Moränenlandschaft von Mellingen ist von nationaler Bedeutung.

Vögeli erzählte auch vom Natur- und Landschaftsschutz in Mellingen wie
zum Beispiel dem Eidechsenbiotop entlang des Bahndamms, der übrigens
auch durch Moränenbildung entstanden ist und durch den Bahnbau zum
Teil zerstört wurde. Stöckli erklärte Interessantes vom Bahnhofquartier und vom Industrieteil, die in den vergangenen 150 Jahren die grössten Veränderungen durchmachten. So wurde beispielsweise von 1966 bis 1972 an dieser Stelle das grösste Öl- und Tankerlager der Schweiz errichtet.

Im Rebbaugebiet am Bünt-Buchberg wurde sehr viel Wein angebaut. Damals galt Mellingen als wichtige Durchgangsstrasse, und so war es auch nicht verwunderlich, dass im 400-Seelen-Dorf 30 Wirtschaften standen und überall reichlich Wein ausgeschenkt wurde.
Als Abschluss des Rundgangs ging es noch zurück in die Urzeit von Mellingen. In der Kiesgrube wurden vor einiger Zeit Steinwerkzeuge gefunden, was auf eine Steinzeitsiedlung schliessen lässt. Selbst ein Einbaum wurde damals an diesem Ort gefunden. Rainer Stöckli erhielt von privater Seite Fotomaterial dieses Einbaumes, das er am Schluss des Rundgangs offiziell dem Ortsmuseum vermachte.
Anschliessend offerierte der Natur- und Vogelschutzverein Mellingen einen
Aperitif. Die Fortsetzung dieses interessanten Gemeindeumgangs findet am
19. Oktober 1996 statt.


Bild-Nr.: 39020
Bild: fo BT 14.5.1996
Text: fo BT 14.5.1996
Copyright: fo BT 14.5.1996

14.05.1996